Die Kinderuni im Odenwälder Jahrbuch "gelurt" 2006

"Die Resonanz auf unsere Veranstaltung war überwältigend.", freuten sich der Physiker Dr. Andreas Seifert aus Bad König und Elfi Kissinger aus Mümling-Grumbach, die das Programm zusammen mit Martina Köllner von der Kinder- und Jugendförderung des Kreises und mit Klaus Overkamp, dem Jugendpfleger von Brensbach und Fränkisch-Crumbach, organisiert haben. Denn schon im Vorfeld war schnell klar geworden, dass Seifert und Kissinger den richtigen Nerv getroffen hatten: Es waren innerhalb kurzer Zeit 120 Anmeldungen eingegangen, sogar aus Darmstadt und Heidelberg, und eine ganze Reihe der Anmeldeformulare war ergänzt durch den Appell, am Ball zu bleiben, derartige Programme zukünftig auch für andere Altersgruppen und mit einem erweiterten Themenspektrum anzubieten. "Der Druck, unter dem wir nach so vielen Vorschußlorbeeren gestanden haben, war enorm.", erinnert sich Seifert.

"Dass die Veranstaltung dann tatsächlich ein voller Erfolg geworden ist, das ist aber vor allem unseren ehrenamtlichen ‚Kinderuni-Professoren' zu verdanken, die schon in der Vorbereitungsphase viel Zeit und Liebe investiert hatten: Oberstudienrat Werner Kassenbrock und Schüler des Beruflichen Gymnasiums in Michelstadt, die Kantorinnen Elke Walter-Christ und Beate Ihrig von den Ev. Kirchengemeinden Höchst und Bad König, Dr. med. Georg Strack vom Bad Königer Nierenzentrum, Roger Uhlmann, Elektrotechniker, Musiklehrer und Bassist bei den ‚Pädchesdribblern' und ‚Lohengreen', Sabine Lieb, Tanzpädagogin, und Hubert Lannert von der Lannert GmbH in Reichelsheim." Und von der Begeisterungsfähigkeit der Kinder konnte sich auch der Erste Kreisbeigeordnete Dr. Michael Reuter überzeugen, als er die Kinderuni in der Bad Königer Kirche besuchte.

Rückblickend war der Schritt heraus aus Bad König in den Odenwaldkreis wesentlich einfacher als zunächst angenommen. Dr. Seifert und Elfi Kissinger hatten Ende 2003 eigentlich eher zufällig zusammengefunden: Seifert hatte gerade seine Hochschullaufbahn an den Nagel gehängt, um als freier Dozent endlich unabhängig von den Launen der Bildungspolitik all das lehren zu können, was ihm schon immer besonders viel Spaß gemacht hatte: Mathematik, Physik, Elektrotechnik, Mechatronik. Und Kissinger suchte etwa zeitgleich einen Dozenten für ihre Idee einer ersten Kinderuni-Veranstaltung im Rahmen der Bad Königer Ferienspiele 2004.

Unter dem Motto "Feuchtfröhliches Experimentieren mit Wasser, Dampf und Luft" fand dann am Vormittag des 23. Juli 2004 tatsächlich die erste Mitmach-Vorlesung auf der Freilichtbühne in Bad König statt - vor 84 Kindern. Mit von der Partie waren damals auch der Mechatronik-Ingenieur Oliver Schmidt aus Zell und der geniale Michelstädter Techniker Bernd Weinthäter, der sich im Odenwald unter anderem verschiedener historischer Wasserwerke und Pumpstationen angenommen und diese mit unvorstellbarem Einsatz restauriert hat. Und nachmittags besuchte man auf der Darmstädter Lichtwiese die Versuchsanstalt für Wasserbau der Technischen Universität. Dort hatten die Mitarbeiter von Prof. Dr.-Ing. Ulrich Zanke und Dr.-Ing. Hans J. Dallwig ein eindrucksvolles Programm zusammengestellt: das riesengroße Modell eines Rheinabschnitts bei Basel, verschiedene Versuchskanäle, in denen das Strömungsverhalten von Wasser um Hindernisse spielerisch untersucht werden konnte, Computerexperimente. Noch an diesem Tag wurde die Idee einer Kinderuni für die gesamte Region geboren.

Und wie soll es nach dem odenwaldweiten Auftakt weitergehen? Die wesentlichen Leitgedanken für die zukünftige Arbeit stammen bereits aus dem Jahr 2004: "Wir wollen Programme anbieten für alle Mädchen und Jungen, die neugierig auf Wissenschaft und Technik sind; spezielle Beiträge zur ‚Hochbegabtenförderung' sind nicht vorgesehen.", spielt Seifert darauf an, dass etliche Eltern die Kinderuniversität Odenwald in der letzten Zeit verwechselt haben mit der Kinder- und Jugendakademie Südhessen e. V., deren Angebote sich an besonders begabte Schülerinnen und Schüler richten. "Außerdem werden wir im Kern naturwissenschaftlich-technisch orientiert bleiben, weil hier der größte Handlungsbedarf besteht. Wir wollen dabei die ganze Region in unsere Veranstaltungen miteinbeziehen: ein ganz enormes Bildungspotential liegt nämlich greifbar nahe vor unserer Haustür, vielfach allerdings unbeachtet, weil sich Bildungsprozesse gerade im mathematisch-naturwissenschaftlichen Bereich nach landläufiger Vorstellung noch immer nur in der Schule vollziehen.

Aber es gibt im Odenwaldkreis viele Firmen, Privatleute und Institutionen, die mit ihrer Arbeit auch Kindern interessante und anregende Einblicke in Wissenschaft und Technik vermitteln können. Es gibt bereits eine ganze Reihe von Firmen, die uns ihr Fachwissen, handwerkliches Können, Geräte und Räumlichkeiten zur Verfügung stellen wollen. Und wir freuen uns auf diese Zusammenarbeit auch gerade deshalb, weil wir dabei selbst unheimlich viel lernen werden." Nicht zuletzt wollen Dr. Seifert und Elfi Kissinger auch weg vom "Ferienspiel-Image" und Veranstaltungen auch außerhalb der Ferien anbieten. Die Zeit dafür ist reif; das belegen die zahlreichen Zuschriften begeisterter Ministudenten und ihrer Eltern.


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© 2005 Elfi Kissinger, Dr. Andreas M. Seifert