DER ODENWALDMALER GEORG VETTER

Georg Vetter wird am 4. Nov. 1891 in König als Sohn des Schuhmachermeisters Philipp Jakob Vetter II. und der Anna Margaretha geb. Daum aus Hassenroth in äußerst bescheidene wirtschaftliche Verhältnisse hineingeboren. Der Vater muss seine Familie als Holzhauer und Waldarbeiter ernähren, die Mutter trägt durch gelegentliche Wasch- und Näharbeiten im Schloss und in Königer Haushalten zum Lebensunterhalt bei. Daher muss Georg schon früh auf eigenen Beinen stehen und versucht sich nach Beendigung seiner Volksschulzeit als Arbeiter in der damals nicht unbedeutenden Königer Zigarrenindustrie. Angesichts eines Lungenleidens zwingen ihn die damaligen Arbeitsbedingungen jedoch zur Aufgabe seiner Tätigkeit.
Auf sein künstlerisches Talent war man bereits vorher aufmerksam geworden, und so besucht er mit Unterstützung der Gräflichen, später Fürstlichen Familie Erbach-Schönberg die Großherzogliche Fachschule in Erbach.
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So beginnt das vielseitige künstlerische Schaffen des Odenwaldmalers Georg Vetter, in dessen Vordergrund fast immer Natur- und Landschaftsmotive stehen, die er sich auf für heutige Verhältnisse fast unvorstellbar ausgedehnten Fußmärschen bis weit hinein ins Bayerische und Badische buchstäblich erwandert. Die Natur bietet ihm einen Ausgleich für seine fast zeitlebens schwierige materielle und gesundheitliche Lage; hier ist er frei, hier überwindet er seine engen Lebensverhältnisse. Dr. Werner Nohl, ein Freund Vetters, beschreibt ihn als Mensch, "der die Ursprünglichkeit in so selbstverständlicher Weise aufzeigen konnte, dass man Schritt für Schritt am Nebensächlichen das Wichtige und am Alltäglichen das Besondere spürt, dass man eine Idylle vor sich zu haben glaubt, wo man selbst nur nüchterne Umgebung gesehen hätte."
Mit seinem Lebenswerk hat uns Georg Vetter ein großes Stück Odenwälder Natur- und Heimatgeschichte hinterlassen, ein umfassendes und bedeutendes Dokument, das es über Generationen hinaus zu ehren und zu bewahren gilt. In der Erinnerung seiner Freunde aber steht er für weit mehr: für einen stillen Humor und Bescheidenheit, für Herzenswärme und Herzensbildung, für Frömmigkeit und Redlichkeit und für die Liebe zu Mensch und Natur.

Besuchen Sie das Georg-Vetter-Museum in der Bad Königer Alexanderstrasse. Es lohnt sich.


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© 2004 Dr. Andreas M. Seifert